„Ich bin das Sprachrohr meiner Klient:innen"
Niki engagiert sich seit 2025 beim Erwachsenenschutzverein VertretungsNetz als ehrenamtlicher Erwachsenenvertreter. Er ist kein Sozialarbeiter und kein Jurist, sondern ein Organisationsmensch, der seine freie Zeit sinnvoll nutzen will.
Was ist eigentlich eine Erwachsenenvertretung?
Viele Menschen können sich unter dem Begriff erst einmal wenig vorstellen. Ich erkläre es dann mit Beispielen aus dem Leben. Die Oma bekommt eine Demenz-Diagnose. Der Freund gerät in eine psychische Krise. Die Schwester mit intellektueller Beeinträchtigung wird volljährig. Plötzlich braucht jemand Unterstützung bei Finanzen, Verträgen oder Behördenwegen. Aber niemand ist da.
Genau dann komme ich als ehrenamtlicher Erwachsenenvertreter ins Spiel. Ich höre zu, kläre, was die Person will, und vertrete ihre Interessen gegenüber Ämtern, Banken und Einrichtungen. Als Erwachsenenvertreter unterstütze ich Menschen mit psychischer Erkrankung oder intellektueller Beeinträchtigung bei rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten. Ich treffe Entscheidungen mit ihnen zusammen, und orientiere mich an ihren Wünschen.
Wie sieht Erwachsenenvertretung in der Praxis aus?
Es ist nicht nur Bürokratie. Ich habe eine Klientin, die Menschen gegenüber sehr skeptisch war, aber Tiere über alles liebte. „Jeder Hund ist mir lieber als jeder Mensch", hat sie oft zu mir gesagt. Ich habe das verstanden. Ich habe ihre finanziellen Mittel geprüft und einen Besuchsdienst organisiert, der regelmäßig mit Hunden zu ihr kommt. Wenn man das schafft, hat man gewonnen. Das Erfolgserlebnis für die Klientin war großartig, und das gibt auch mir selbst sehr viel zurück.
Ist das Ehrenamt neben dem Beruf möglich?
Für mich ist das Ehrenamt bei VertretungsNetz kein Zeitfresser, sondern eine Bereicherung, die sich flexibel in meinen Alltag integriert. Manche Klient:innen erreiche ich sogar fußläufig, noch bevor ich mich auf den Weg zu meiner Arbeit mache. E-Mails checke ich oft nebenbei in der S-Bahn. Man muss kommunizieren können und die Bereitschaft mitbringen, sich mit den Menschen auseinanderzusetzen und auf sie einzugehen.
Zum Beispiel habe ich eine Klientin, die mich nie erkannt hatte, wenn wir uns im Stiegenhaus begegneten – deshalb konnte ich sie dort auch nicht ansprechen. Ich habe aber rasch bemerkt, dass sie sehr wohl wusste, wer ich bin, sobald sie mir ihre Wohnungstür öffnete. Für mich war das kein Problem. Jetzt steuere ich meine Besuche so, dass ich sicher bin, sie zu Hause anzutreffen. Dann sind wir sofort auf Augenhöhe.
Als Erwachsenenvertreter bin ich heute das Sprachrohr für vier Menschen. Ich sorge dafür, dass ihre Wünsche gehört werden, auch wenn Einrichtungen oder Behörden andere Pläne haben. Mein Credo lautet: Ich sage und mache etwas nur, wenn ich genau weiß, dass es im Sinne meiner Klientin oder meines Klienten ist.
Das VertretungsNetz setzt sich in Österreich für die Grundrechte von Menschen mit psychischer Erkrankung oder intellektueller Beeinträchtigung ein. Als ehrenamtliche:r Erwachsenenvertreter:in kümmerst du dich im Verein um Angelegenheiten, die Menschen mit Unterstützungsbedarf nur schwer alleine regeln können (www.vertretungsnetz.at/ehrenamt).