Susi hört hin

18.08.2026
Bildmaterial: Faltenrock FM

Für Faltenrock FM besucht die Journalistin Susi Mayer regelmäßig eine Bewohnerin eines Pflegewohnhauses. Im Interview erzählt sie, wie aus aufgezeichneten Gesprächen eine Radiosendung entsteht, warum Vertrauen dabei besonders wichtig ist und was sie selbst aus dem Austausch der Generationen mitnimmt.

Wie bist du auf Faltenrock FM aufmerksam geworden und warum hast du dich für dieses Engagement entschieden?

Susi: Faltenrock FM ist ein tolles Projekt! Wir besuchen ältere Menschen in Pflegewohnhäusern und interviewen sie zu ganz unterschiedlichen Themen. Ein lieber Freund begleitet das Projekt schon länger und hat mich darauf aufmerksam gemacht. Als Journalistin liebe ich Interviews – und da ich mich gerne sozial einbringen wollte, hat das perfekt gepasst.

Ihr arbeitet in eurem Engagement sehr selbstorganisiert. Wie entsteht eine typische Podcast-Folge?

An den Themen und Fragen arbeiten wir gemeinsam in Online-Meetings. Danach schwärmen wir in die Pflegewohnhäuser aus. Wir haben alle unsere vertrauten Gesprächspartner*innen, die wir regelmäßig besuchen. Nach der Aufzeichnung schneiden wir die besten Zitate selbst heraus. Jeden Monat bastelt eine andere schnittverantwortliche Person daraus die finale Radiosendung. Das klappt sehr gut.

Eure Themen sind oft sehr berührend. Wie schaffst du es, vor dem Mikrofon Vertrauen aufzubauen?

Ich spreche immer mit derselben Person. Weil ich viele Projekte parallel laufen habe, möchte ich mich bei Faltenrock FM ganz auf einen Menschen konzentrieren und eine echte Beziehung aufbauen. Mittlerweile freut sich auch meine Gesprächspartnerin, Frau Rath, immer aufs Wiedersehen. Wir plaudern viel über die Vergangenheit – auch über Dinge, die geschmerzt haben. Wenn es mal zu persönlich wird, senden wir diese Passagen natürlich nicht. Das besprechen wir ganz unkompliziert vorab.

Welche Begegnung oder Geschichte ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Ganz klar die Geschichte von Frau Raths großer Liebe Klaus, ihrem dritten Ehemann. Sie sagte einmal zu mir: „Geliebt hab ich nur den Klaus, die anderen hab ich ganz gut leiden können…“. Mit einer über 80-jährigen Person so offen über die Liebe, das Verliebtsein und Verlust zu sprechen, berührt mich jedes Mal zutiefst. Am Ende eines Lebens sind das doch genau die Dinge, die zählen: Habe ich geliebt? Und wusste der andere, wie wichtig er mir war?

Was nimmst du persönlich aus dem Austausch der Generationen mit?

Der Austausch ist immens wichtig. Frau Rath hat einen wachen Verstand, freut sich über anregende Gespräche, redet über Literatur und zitiert Gedichte. Wir beide haben große Freude an unseren verplauderten Stunden. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Menschen im Pflegewohnhaus erleben solche Gespräche viel zu selten. Ich bin selbst oft „mit dem Hintern auf 13 Kirtagen“. Dadurch komme ich nicht so oft vorbei, wie ich gerne würde. Doch jede einzelne Minute dort ist es absolut wert.

 

Interview von: Sigrid Putzer & Lukas Sodek

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