Die Welt retten? 10 Fakten, wie du mit freiwilligem Engagement dich und dein Umfeld veränderst

06.10.2022
Sich für andere Menschen einzusetzen, macht glücklich und zufrieden – das bestätigen zahlreiche Studien. Aber kann freiwilliges Engagement auch unsere Welt retten? Diese Frage beantworten wir dir in diesem Blog-Beitrag.

 

Wir starten unseren Artikel mit der herzerwärmenden Geschichte von Simon, der an der Universität, die Möglichkeit nutzt, sich im Rahmen seines Studiums zu engagieren. Simon ist 22 Jahre jung und studiert Mathematik und Elektronik. In den Sommerferien ist bei der Lebenshilfe Niederösterreich für Menschen mit geistigen und körperlichen Einschränkungen im Einsatz. Simon sagt: „Für mich ist freiwilliges Engagement eine Win-win-Situation. Was ich reinstecke, bekomme ich doppelt zurück: Als ein Lächeln oder ein Dankeschön.“

 

Dass dein Engagement dich glücklich machen kann, das bestätigen auch zahlreiche Studien. Eine 2020 im Journal of Happiness Studies veröffentlichte Studie fragt: „Sind Menschen, die sich engagieren, glücklicher, oder ist umgekehrt Glücklichsein eine Voraussetzung, um sich überhaupt zu können?". Im Rahmen der Studie wurden 70.000 Menschen in Großbritannien über 18 Jahre begleitet. Eines der Ergebnisse lautet: „Menschen, die sich engagieren, werden mit der Zeit glücklicher.“ Der Effekt ist sogar umso stärker, je niedriger dein Wohlbefinden vor einem Engagement war. Die Studie versucht den Wert des Engagements zu monetarisieren und kommt zum Schluss: Engagement macht so glücklich wie ein zusätzliches 15. Jahresgehalt von 1.100 US-Dollar.

Das soziale Miteinander spielt eine große Rolle beim freiwilligen Engagement. Du erlebst dich als Teil einer Gemeinschaft. Nicht nur im Team der Engagierten, sondern auch mit den Menschen, für die du dich engagierst. Diese sozialen Kontakte und vielleicht sogar Freundschaften können in unterschiedlichen Lebenslagen eine besondere Rolle spielen.

 

Sei’s, wenn die Kinder ausziehen, eine Partnerschaft in die Brüche geht, du in eine neue Stadt ziehst, oder die berufliche Integration nach der Pensionierung vermisst. Beim Engagement kannst du lebendige Beziehungen knüpfen und erleben. Dabei ist es ganz egal, wofür du dich engagierst. Die Erfahrung Teil einer Gruppe zu sein wirkt gegen Einsamkeit und sozialen Isolation.

(Quelle: Giphy/ESPN.com)

 

Der Gesundheitswert von freiwillig engagierten Personen ist signifikant besser als bei Personen, die sich nicht engagieren. Das ergab die European Social Survey, bei der in den Jahren 2012 und 2013 rund 40.000 Menschen befragt wurden. Der Unterschied betrug 5 Jahre. Engagierte Personen hatten also denselben Gesundheitswert wie um fünf Jahre jüngere Studienteilnehmer:innen, die sich nicht engagierten.

 

Eine Ursache dafür kann sein, dass Engagement Stress reduziert. Wenn wir etwas Gutes tun, werden verschiedene Glückshormone in unserem Körper freigesetzt und Stresshormone abgebaut. Helfen spricht denselben Teil deines Gehirns an, wie Belohnungen oder Vergnügen. Damit leistest du nicht nur einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft, sondern tust auch dir selbst etwas Gutes.

(Foto: Wikipedia)

 

Du kannst dir durch dein Engagement viel Gutes tun. Das ist Grundvoraussetzung dafür, dass du dein Umfeld verändern und damit im Kleinen die Welt rettest. Dazu passt das Zitat einer sehr berühmten jungen Frau. „Ich habe gelernt, dass man nie zu klein ist, um eine Veränderung zu bewirken“, hat Klima-Aktivistin Greta Thunberg einmal in einem Interview gesagt. Freiwilliges Engagement kann auch damit beginnen, sich mit einem selbst gemalten Transparent in seiner Heimatstadt vor das Rathaus zu setzen.

Auch Häkeln kann die Welt verändern. Hier das Foto eines Projekts des Freiwilligenzentrums Außerfern im Bundesland Tirol. In Reutte haben Freiwillige fleißig gestrickt und gehäkelt. Im Frühjahr 2022 wurden die bunten Fahrräder, Rollstühle oder Scooter dann in der Begegnungszone aufgestellt. Sie verschönern das Stadtbild und zaubern den Menschen ein Lächeln ins Gesicht. So ganz nebenbei thematisiert das Projekt auch Themen wie umweltfreundliche Mobilität und Barrierefreiheit der Innenstadt. Auch so kannst du einen BBeitrag zur Rettung der Welt leisten..

(Quelle: Giphy/INTO ACTION)

Wenn ich bereits als junger Mensch die Erfahrung mache, dass ich mit meinem Handeln etwas bewirken kann, stärkt das unsere Demokratie. Bei Menschen, die sich in ihrer Jugend engagieren, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie auch als Erwachsene weiter freiwillig aktiv bleiben. Das bestätigen mehrere auf Basis von Umfragen erstellte Studien.

 

Junge Menschen wollen Einfluss nehmen können, herausgefordert werden, Verantwortung tragen und sie wollen Ernst genommen werden. Das alles ermöglicht ihnen ein Engagement abseits der Schule. Während im Klassenzimmer Wissen oft nur theoretisch vermittelt wird, macht freiwilliges Engagement das eigene Wirken praktisch erfahrbar. Und das in einer Zeit, in der üblicherweise das eigene Interesse an Gesellschaftspolitik geweckt wird – in der Schule oder im Studium. Mit anderen Worten: Engagement ist eine Demokratieschule.

Foto; Jürgen Christiandl/Kurier.at

 

Doch auch die ältere Generation profitiert vom freiwilligen Engagement. Laut Freiwilligenbericht 2019 weisen die 60- bis 69-Jährigen in Österreich die mit Abstand die höchste Beteiligungsquote auf. Mit 57 Prozent ist mehr als jede:r Zweite freiwillig tätig und bringt sich nach Ende seiner/ihrer Erwerbsarbeit mit gemeinnützigen Aktivitäten ein. Selbst bei den Über-70-Jährigen ist noch ein Viertel aktiv.

 

Die Zahl ist in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen. Laut 1. Freiwilligenbericht 2009 sind Spaß und der Wunsch aktiv zu bleiben die Hauptmotive der Golden Ager, um sich zu außerhalb der eigenen Familie zu engagieren. Freiwilliges Engagement schließt eine Lücke, und ist eine Möglichkeit, einen sanfteren Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand zu gestalten. Ein Beispiel ist die Rocking Community, ein Netzwerk für (angehende) Pensionist:innen in Wien und Graz. Hier ein Bild von den Jung-Seniorinnen bei ihrer wöchentlichen „Nordic Talking“ Runde in der Praterallee. Initiatorin Ingrid Urbanik sagt: "Bei uns gibt es fast jeden Tag eine Veranstaltung, bei der wir gemeinsam etwas unternehmen. Da kommt man ganz nebenbei sehr schnell miteinander ins Gespräch.“

 

Mehr zur Rocking Community erfährst du am 30. November 2022 auf der Freiwilligenkonferenz im Skydome in Wien, wo Ingrid Urbanik zu Gast sein wird. Und wir haben auch einen Beitrag aus Tirol geplant, wo wir erfahren werden, wie ein ganzes Tiroler Tal zur Caring Community wird. Alle Infos und der Link zur Anmeldung auf freiwillig-engagiert.at/freiwilligenkonferenz

Quelle: Giphy

 

„Anderen Menschen helfen tut einfach gut“ – das sagen rund die Hälfte der 1.000 Befragten in einer Umfrage des Magazins Chrismon in Deutschland. Sowohl Frauen als auch Männer in der Umfrage aus dem April 2022 erhoffen sich durch ihr Engagement, besser mit ihrem Weltschmerz zurechtzukommen. 15 Prozent der freiwillig Engagierten antworteten ganz explizit. Sie fühlten sich angesichts der vielen schrecklichen Nachrichten weniger hilflos. Ein Beispiel dafür ist etwa die große Hilfsbereitschaft der Österreicher:innen im Hinblick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Im März boten Tausende Österreicher:innen spontan freie Betten in ihrem Zuhause für Geflüchtete an – und auch heute ist die überwiegende Mehrzahl der Ukrainer:innen im Land in privaten Quartieren untergebracht. Wir finden: Ein gutes Mittel, um mit der Hilflosigkeit angesichts schrecklicher Weltnachrichten umzugehen.

(Quelle: Giphy/ABC Studios, Lost (TV-Serie))

 

Engagement ermöglicht Begegnungen mit Menschen, die wir im Alltag sonst nicht treffen würden. Egal, ob wir uns in unserer Stadt für Randgruppen engagieren, bei einem Engagement im Ausland mit anderen Kulturen in Kontakt kommen oder uns gemeinsam mit anderen spannenden Menschen für eine gute Sache engagieren – Wir kommen raus aus unserer „Bubble.


All diese Begegnungen laden uns dazu ein, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, negative Bewertungen hinter uns zu lassen und wir bekommen ein besseres Verständnis für die Lebenslagen anderer. Im Österreichischen Freiwilligenbericht wird eine Freiwillige zitiert, die sich für Menschen mit psychischen Krankheiten engagiert. Sie erzählt davon, wie sehr sie vom direkten Kontakt profitiert: „Man lernt schon, […] den Umgang mit psychisch kranken Menschen, man lernt auf alle Fälle […] dass man einfach auf die Menschen mehr zugeht […] komplett von irgendwelchen Bewertungen wegkommt.“


Wenn sie früher jemanden auf der Straße gesehen hat, der sich unangemessen verhalten hat, hat sie gedacht: „Was ist denn das für einer?“, oder „Was ist mit dem los?“ Jetzt hat sie im Hinterkopf, dass das eine psychische Erkrankung sein könnte und verzichtet auf abwertende Kommentare.

(Quelle: Giphy/Tonight Show Starring Jimmy Fallon)

 

Etwas Sinnvolles zu tun, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Wir fühlen uns wunderbar, wenn wir unsere Zeit sinnvoll nutzen und anderen etwas Gutes unternehmen können. Egal, ob du einem wohnungslosen Menschen Frühstück bereitest, regelmäßig ein Kind beim Lernen unterstützt oder dich in einem Umweltschutzprojekt engagierst – überall dort erlebst du dich als Teil eines großen Ganzen.

 

Durch dein Engagement gestaltest du die Gesellschaft mit und leistet einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt. Die Wissenschaft beschreibt das wohlige Gefühl, das du verspürst, wenn du jemandem etwas Gutes tust als „Warm Glow“-Effekt. Forscher:innen fanden dabei heraus, dass beim Geben dieselben Areale im Hirn aktiv sind, wie wenn wir eine Belohnung erhalten. Für andere da zu sein, ist demnach ganz tief in uns verwurzelt.

 

Freiwilliges Engagement kann also die Welt Schritt-für-Schritt besser machen. Und das Tolle daran, ist: Du benötigst dazu keine Vorkenntnisse, du kannst gleich damit anfangen. Schau dich einfach hier auf freiwillig-engagiert.at um, stöbere durch die Engagement-Bereiche oder finde eine Organisation in deine Nähe, die zu dir passt. Wir freuen uns schon darauf, gemeinsam mit dir die Welt zu retten!

Quellen:

  • Chrismon (2022): "Umfrage: Warum wollen Menschen ein Ehrenamt?" https://chrismonevangelisch.de/artikel/2022/52693/umfrage-warum-wollen-menschen-ein-ehrenamt
  • Lawton, R.N., Gramatki, I., Watt, W. et al. (2021): Does Volunteering Make Us Happier, or Are Happier People More Likely to Volunteer? Addressing the Problem of Reverse Causality When Estimating the Wellbeing Impacts of Volunteering. J Happiness Stud 22, 599–624. https://doi.org/10.1007/s10902-020-00242-8
  • Heimgartner Arno (2020): Das freiwillige Engagement im Lebenslauf, in: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: 3. Bericht zum freiwilligen Engagement in Österreich, Wien, 109–136
  • Wedekind, Hartmut, Mathias Daug (2007). Vita Gesellschaftlichen Engagements. Berlin: Deutsches Kinderhilfswerk, https://digital.zlb.de/viewer/metadata/15880505/1/

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